Es ist soweit: Wir ziehen es durch!

Eine lange und ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende zu. Und heute Abend ist es Zeit ein wenig zu feiern. Der Champagner, den uns mein bester Freund Michael zur Verlobung geschenkt hat, ist kalt gestellt und wartet bereits darauf geöffnet und geleert zu werden. Doch der Reihe nach…

Das „Coming-Out“ bei meinen Eltern

Am letzten Samstag besuchen wir zunächst meine Eltern, verbringen einen schönen Abend bei Pizza und Wein und sprechen über ihren und unseren letzten Urlaub. Irgendwann lässt sich dann unser „Coming-Out“ nicht mehr weiter nach hinten schieben.

Wir überfallen sie nicht komplett, da wir das Thema „berufliche Auszeit nach Christianes Doktorarbeit“ schon einmal kurz Mitte Juni bei ihnen haben anklingen lassen. Nun wird es also Zeit hier Nägel mit Köpfen zu machen. Von der Reaktion meiner Eltern hängt für uns zudem sehr viel ab, da wir planen bei ihnen in die aktuell nicht vermietete Wohnung in der ersten Etage einzuziehen. Wir bitten also um „Asyl“ für die Zeit vor und nach unserer Weltreise. Schließlich müssen wir unsere aktuelle Wohnung ausräumen und auch einen Standort haben, von dem aus wir nach unserer Rückkehr auf Jobsuche gehen können.

Wie haben sie reagiert? Da wir beide das Glück haben die besten Eltern / Schwiegereltern der Welt zu besitzen, stellt sich diese Frage für sie gar nicht, ob wir bei ihnen einziehen können. Und auch wenn das Thema seit Juni nicht mehr angesprochen wurde, haben sie es scheinbar doch im Hinterkopf gehalten und sich schon den ein oder anderen Gedanken dazu gemacht. Und so haben wir am Samstag Abend den ersten Schritt in Richtung Weltreise gemacht.

Die ersten Kündigung(en)

Der nächste – und für mich schwierigere – Schritt wartete dann am Dienstag auf mich und raubte mir den Schlaf. Die Kündigung meines Arbeitsverhältnisses steht auf der Agenda. Gedanklich habe ich das Gespräch schon oft durchgespielt (obwohl ich mir sicher war, dass es eh ganz anderes abläuft als gedacht). Leider hatte sich nun auch noch kurzfristig mein Ansprechpartner für die Jobkündigung geändert. Mein direkter Vorgesetzter war im Urlaub und so konnte ich leider nicht persönlich mit ihm sprechen, was mir lieber gewesen wäre. Da ich das Ganze aber möglichst schnell hinter mich bringen wollte und ich auch Kündigungsfristen einhalten muss, entschließe ich mich dazu hier die Vertretung ins Vertrauen zu ziehen und dort meine Kündigung einzureichen.

Bevor es morgens los geht schaut Christiane mich an:

Sie: „Machen wir das wirklich?“
Ich: „Any second thoughts?“
Sie: „Nein!“

Und damit ist die Sache dann auch final entschieden.

Trotzdem bin ich auf der Fahrt in die Firma nervös. Klar, habe ich in meinem bisherigen Berufsleben doch seit dem 01.08.1995 – das sind inzwischen mehr als 23 Jahre – immer genau gewusst was ich im nächsten Monat zu tun habe. Diese „Sicherheit“ fällt am 31.12.2018 nun unter den Tisch. Was ich gewinne ist Freiheit, an die ich mich allerdings zunächst gewöhnen muss. Aber wenn man sich einen Lebenstraum erfüllt, geht dies vermutlich schnell – hoffentlich!

Von unterwegs rufe ich dann unseren Vermieter an. Die Kündigung hatten wir gestern bereits auf den Postweg gebracht. Wir haben einen guten Vermieter, der sich immer gekümmert hat, wenn wir mal was hatten und aus diesem Grund möchte ich ihm das Ganze auch gerne persönlich mitteilen. Da er gerade in einem Meeting steckt, fällt das Gespräch allerdings nur sehr kurz aus. Wir vereinbaren einfach in Kontakt zu bleiben, eine Bestätigung schickt er uns per Mail zu. Erste Kündigung des Tages: check!

In der Firma angekommen dann erstmal die Ernüchterung, weil mein Ansprechpartner weder in seinem Büro, noch anderweitig auffindbar ist. Wie ein hungriger Tiger bin ich auf dem Weg durchs Gebäude und gehe zunächst nochmal zurück zum Auto um eine Kleinigkeit zu essen. Das beruhigt ja bekanntlich die Nerven. Nach der Pause ist er dann auch wieder da und wundert sich, als ich die Türe hinter mir schließe. An das Gespräch kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern, mein Kopf fühlt sich diesbezüglich einfach nur leer an. Hier also lediglich eine grobe Zusammenfassung:

Ich: „Ich benötige dich in deiner Rolle als Urlaubsvertretung. Ich werde das Unternehmen zum 31.12. verlassen.“
Er: „Ich habe mir sowas schon gedacht als du die Tür geschlossen hast.“

Pause…

Er: „Und zu welchem Unternehmen geht es?“
Ich: „Wir nutzen das Ende von Christianes Doktorarbeit und dem damit verbundenen Jobwechsel zu einer beruflichen Auszeit und gehen ab Januar 2019 auf Weltreise.“
Er: „Ich bewundere den Mut von Leuten, die sowas machen. Wenn das der Traum von jemandem ist und man in der Lage ist, das in seinem Leben umzusetzen, sollte man das tun. Für die Firma ist das natürlich menschlich und fachlich ein großer Verlust.“
Ich: „Wir sind jetzt gesund, haben gespart und Christiane ist nach der Doktorarbeit eh in einer Phase der Umorientierung… wenn wir das jetzt nicht machen, werden wir es wohl nie machen.“

Wir vereinbaren, dass er sich nun um alles weitere kümmert, sprich mit der Personalabteilung und der Geschäftsführung Rücksprache halten wird, und sich dann bei mir meldet. Zudem wollen wir das Ganze zunächst nur im kleinsten Kreis halten, bis mein Vorgesetzter aus dem Urlaub wieder da ist.

Ich mache mich auf leisen Sohlen auf den Weg aus dem Büro, vorbei an den zukünftigen Ex-Kollegen und bringe nur noch ein kurzes „Bis zum nächsten Mal“ zustande. So langsam fällt die Anspannung zumindest ein bisschen von mir ab. Ich habe es wirklich getan. Zweite Kündigung des Tages – check!

Auf dem Rückweg ruft der Kollege, bei dem ich kurz zuvor meine Kündigung eingereicht hatte, mich dann auch schon wieder an. Es gehe soweit alles klar. Aussage einer der Geschäftsführer: „Sehr schade, aber beneidenswert.“

Was passiert mit laufenden Projekten in meinem Job?

Mein Termin am nächsten Tag in Köln wird vom Kunden leider kurzfristig abgesagt. Das passiert so gut wie nie und war schon ärgerlich, da ich bereits in Köln war.

Zurück im Home-Office starte ich zunächst mit einigen organisatorischen Arbeiten. Hier gilt es zunächst mal mir eine grobe Übersicht zu verschaffen, über die Dinge, die in den nächsten drei Monaten noch zu erledigen sind:

  • Was ist wichtig?
  • Was kann direkt weg?
  • Welche Informationen muss ich an meine Kollegen weitergeben?

Die letzten fünf Jahre habe ich einen enormen Aufwand betrieben, um unser Unternehmen stark im Markt zu repräsentieren und sehr viele dieser von mir betreuten und/oder technisch begleiteten Bauvorhaben sind gerade mitten in der Planung beim Architekten. Für mich und das Unternehmen ist es also wichtig, dass hier eine möglichst reibungslose Übergabe stattfinden kann. Die ganze Arbeit soll ja nicht umsonst gewesen sein.

Erste Schritte für die Umzugsplanung

Am nächsten Tag sind wir nochmal bei meinen Eltern. Wir haben die genauen Maße unserer Möbel genommen, die wir in unsere neue (und viel kleinere) Wohnung bei meinen Eltern stellen möchten und schauen, wie das Ganze am besten passt. Insgesamt werden wir uns deutlich reduzieren müssen. Das haben wir uns aber eh vorgenommen. Seit wir vor fünf Jahren zwei Haushalte zusammengelegt haben, verfügen wir ohnehin über viel zu viele Dinge, die wir einfach nur noch besitzen, weil wir die Möglichkeit haben sie zu lagern. Das soll (und muss!) sich in den nächsten drei Monaten ändern!

Reiseplanung und erste konkrete Buchung

Morgens sprechen Christiane und ich dann nochmal über das erste Ziel auf unserer Weltreise. Die Entscheidung ist eigentlich keine, denn Australien steht schon sehr lange auf unserer „Bucket List“. Und so buchen wir einen One-Way-Flug nach Sydney:

Los geht es am 31.12.18:
unserem offiziell letzten Arbeitstag 🙂

Eine Auszeit nehmen: Verrückt, großartig, oder beides?

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