UNESCO-Welterbe Tasmanische Wildnis (Teil 3): Cradle-Mountain-Lake-St.-Clair-Nationalpark

Um zu unserem nächsten Nationalpark zu kommen, mussten wir zunächst die Tasmanische Wildnis kurz verlassen. Es gibt hier keinen direkten Weg von den südlich gelegenen Nationalparks zu denen im Norden. Wir fuhren also den Umweg über die A10 und übernachteten dort auf einem sehr schönen, kostenfreien Campingplatz in der Nähe von Ellendale, dem Ellendale Bethune Camp Ground.

Lake-St.-Clair-Nationalpark

Der Cradle-Mountain-Lake-St.-Clair-Nationalpark besteht eigentlich aus zwei Nationalparks und hat aus diesem Grund auch zwei verschiedene Zugänge, jeweils mit einem Besucherzentrum. Zwischen diesen liegen dann allerdings gut 200 Straßenkilometer. Kürzer geht es nur zu Fuß. Und zwar über den Overland Track der auf gut 65 km die beiden Besucherzentren miteinander verbindet und in 6 Tagen erwandert werden kann. Von Anfang Oktober bis Ende Mai ist hierfür allerdings eine vorherige Buchung notwendig.

Nachdem wir unsere Vorräte nochmal kurz in einer kleinen Stadt mit dem Namen Ouse aufgefüllt hatten, starten wir im südlich gelegeneren Lake-St.Clair-Nationalpark. Dieser ist nach dem gleichnamigen See benannt, der auch Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Wanderungen ist.

Lake St Clair

Wir starteten mit einem Spaziergang zur Platypus Bay, an der man mit ein wenig Glück Schnabeltiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann. Das erste Tier, dass uns dann allerdings begegnete, war eine Tiger snake (Gewöhnliche Tigerotter). Warnschilder wiesen uns bereits vorab darauf hin, dass diese im Nationalpark im Augenblick sehr aktiv sind. Für uns stellte dieses Exemplar jedoch keine Gefahr dar, denn sie verschwand schnell in den Büschen am Rande unseres Weges. Trotzdem mussten wir uns von dem Schreck ein wenig erholen. An der Platypus Bay hatten wir dann leider kein Glück mit der einheimischen Tierwelt und mussten ohne eine Sichtung von Schnabeltieren den Rückweg antreten.

Wir schauten uns anschließend noch ein wenig im Besucherzentrum um. Christiane wollte gerne einen “wander-freien” Tag haben um noch einige Dinge abzuarbeiten. Diese Gelegenheit wollte ich wiederum nutzen und eine etwas längere Wanderung in Angriff nehmen, auf die Christiane ohnehin keine große Lust hatte. Also erfragten wir bei einem Mitarbeiter nochmal das Wetter und erkundeten das angrenzende Café, ob Christiane dort mit ihrem Laptop gut sitzen kann.

Unsere Campsite für diesen Abend ist eigentlich keine gewesen. Direkt am Eingang zum Nationalpark (gut 5 km vom Besucherzentrum) gibt es das Derwent Bridge Hotel. Hier kann man auf dem Parkplatz kostenfrei stehen und dabei die öffentlichen Toiletten auf der anderen Straßenseite nutzen. Ans Hotel angeschlossen ist ein tolles Restaurant / Pub in dem wir den Tag dann bei einem leckeren Bier und vegetarischem Curry haben ausklingen lassen.

Derwent Bridge Hotel

Mount Rufus

Obwohl Christiane ihren freien Tag hatte musste sie zusammen mit mir um 6 Uhr aufstehen. Schließlich galt es zunächst die 5 km bis zum Besucherzentrum in unserem Campervan zurückzulegen. Von dort ging es für mich dann los in Richtung Mount Rufus. Die Wanderung ist ein 19 km langer Rundweg, der mit gut 7 Stunden veranschlagt ist und über reichlich Höhenmeter verfügt. Zunächst ging es aber vom Lake St.Clair relativ eben durch dichten Wald. Immer wieder bin ich dabei durch Spinnweben gelaufen, die (dafür das man sie kaum sah) ziemlich gut klebten. Nach gut 75 Minuten stand ich dann am Fuß des Berges und begann den Aufstieg.

Es ging stetig bergauf und nach kurzer Zeit konnte ich nun hinter mir bereits auf den See blicken. Nachdem ich den Bergrücken erreicht hatte, ging es über diesen weiter Richtung Gipfel. Doch zunächst musste ich erstmal ein wenig das Panorama genießen. Wie so oft, war der Gipfel, den man zwischendurch zu sehen bekommt, dann doch gar nicht der richtige Gipfel. Denn vom “falschen Gipfel” ging es erstmal wieder bergab um anschließend zum eigentlichen Mount Rufus wieder anzusteigen. Nun konnte ich auch endlich das „Gipfelkreuz“ (das hier eher einer Bake gleicht) sehen. Vom Wetter her war es mal wieder ein toller Wandertag und die umliegenden Berge waren super zu erkennen.

„Falscher“ Gipfel
Richtiger Gipfel von Mount Rufus

Nach einer ausgiebigen Pause ging es dann auf der anderen Seite des Bergrückens wieder herunter. Hier führte der Weg dann streckenweise über einen Steg, der dafür sorgt, dass die empfindliche Vegetation nicht durch Wanderer zerstört wird. Hier waren sich auch viele Eidechsen am sonnen.

Nach einiger Zeit erreichte ich dann den Shadow Lake, machte einige Fotos und legte eine weitere Pause ein.

Shadow Lake

Kurz danach traf ich dann die ersten anderen Wanderer (4,5 Stunden nach meinem Start). Anschließend ging es dann eine Zeit lang entlang des Hugel Rivers. Diesen konnte ich zwar nicht sehen, jedoch immer wieder hören. Dem Ziel inzwischen um einiges näher gab ich nochmal Gas und kam um halb eins wieder am Besucherzentrum an. Hier habe ich dann erstmal eine kostenfreie Dusche für Wanderer genommen. Echt toll, das sowas angeboten wird! Anschließend holte ich Christiane im Café ab und wir machten uns an die Weiterfahrt.

Cradle-Mountain-Nationalpark

Cradle Mountain liegt im Norden des Nationalparks und ist sehr touristisch. Das heißt es gibt hier viele Hotels, Lodges usw. Der große Besucherandrang hat letzendlich dafür gesorgt, dass inzwischen Shuttlebusse eingesetzt werden. Viel weiter als bis zum Besucherzentrum darf man mit seinem Campervan also gar nicht mehr fahren.

Parkplatz am Besucherzentrum

Mit dem Auto kann man zumindest außerhalb der Öffnungszeiten / Fahrzeiten der Busse bis an die Parkplätze im Nationalpark fahren. Das soll wohl dafür sorgen, dass Campervans oder Wohnmobile nicht über Nacht im Nationalpark „Wildcampen“ und dabei die sanitären Anlagen nutzen. Die Straße Richtung der Parkplätze ist teilweise auch so schmal, dass keine zwei Autos aneinander vorbei passen. Wie hier der Verkehr vor der Umstellung auf Shuttlebusse funktioniert hat, ist uns aus diesem Grund auch ein Rätsel. So war es sicher für die Natur und Tierwelt und deren Schutz das Beste hier einzugreifen und Busse einzusetzen.

Für uns hat die Sache jedoch auch einen kleinen Haken. Gerne hätte ich die Wanderung zum Cradle Summit (angegeben mit 8 Stunden) in Angriff genommen. Nur leider fährt der erste Bus “erst” um 8:15 Uhr vom Besucherzentrum los. Das bedeutet erstens, dass man von Anfang an in einer größeren Gruppe wandert und zweitens in der prallen Mittagssonne anfängt den Gipfel zu erklimmen. Obwohl man mit dem Auto früher reinfahren darf, gibt es keine solche Ausnahmeregelung für die Einfahrt mit unserem Campervan. Für mich gibt es somit keine Möglichkeit auf einen früheren Start gibt es hier leider nicht und somit verzichte ich dann lieber auf die Wanderung.

Da möchte ich nicht in der prallen Mittagssonne hoch!

Im Nationalpark selber nutzen wir dann auch die Möglichkeit eine Aufzuchtstation (Sanctuary) von Tasmanisichen Teufeln zu besuchen. Mehr hierzu im Beitrag von Christiane zu Tasmanischen Tierwelt.

Devils@Cradle

O’Neills Creek Reserve

Der große Touristenandrang im Cradle-Mountain-Nationalpark sorgt ebenfalls dafür, dass die Preise für den einzigen Campingplatz im Nationalpark einfach unverschämt teuer sind. Mit fast $50 für einen Stellplatz ohne Strom (dafür gibt es dann kein Trinkwasser und auch die Duschen kosten nochmal extra!) können wir uns dann nicht anfreunden und entschließen uns Alternativ für das O’Neills Creek Reserve. Dieser Campingplatz liegt gut 40 Autominuten vom Nationalpark entfernt. Er bietet Toiletten mit Spülung, einige schattige Picknickbereiche und man kann hier sogar ordentlich seinen Müll entsorgen. Der Verwalter sieht hier jeden Tag nach dem rechten und säubert dabei auch die sanitären Anlagen. O’Neills Creek Reserve liegt direkt am Fuß des Mount Roland (einer herausfordernden Alternative zum Cradle Summit) und kostet nur ganze $5,- pro Nacht. Wir haben hier 3 Nächte gestanden und als Ausgangspunkt für unsere Aktivitäten war das einfach super!

Toiletten-Einrichtungen am O’Neills Creek Reserve
O’Neills Creek Reserve

Mount Roland

Dove Lake & Crater Lake

An unserem zweiten Tag im Cradle-Mountain-Nationalpark haben wir auf Christianes Vorschlag hin zwei Wanderungen miteinander kombiniert. Zunächst ging es um den Dove Lake herum. Diese Wanderung bietet eine tolle Sicht auf den Cradle Mountain und natürlich auf den See selber. Der Rundweg ist gut 6 km lang und mit 2-3 Stunden Wanderzeit angegeben. Bei tollem Wetter konnten wir hier immer wieder Fotostops einlegen.

Anschließend ging es erstmal eine ganze Zeit bergauf bis wir schließlich den Crater Lake erreichten. Auch dieser Rundweg ist gut 6 km lang und soll gut 2 Stunden dauern. Vom höchsten Punkt aus hatten wir dann einen tollen Ausblick über mehrere Seen (Dove Lake, Lake Lilla und Wombat Pool).

Dove Lilla im Vordergrund; Dove Lake im Hintergrund
Crater Lake

Wir sind dann vom Crater Lake über Ronnys Creek wieder abgestiegen. An Ronnys Creek sollte es die Möglichkeit geben unsere ersten Wombats zu sehen. Hier hatten wir kein Glück. Wir schätzen, dass das an den sehr hohen Temperaturen und der falschen Tageszeit lag. Im nächsten Nationalpark (Narawntapu) haben wir dann vielleicht etwas mehr Glück mit Wildlife. Entschädigt wurden wir aber zunächst durch eine weitere Echidna Sichtung in der Nähe des Parkplatzes ?

Ronny Creek
Echidna
Campingplatz, Cradle-Mountain-Nationalpark, Lake-St.-Clair-Nationalpark, Tasmanien, Wanderung
Camper-Spaß und Touristen-Dummheiten
UNESCO-Welterbe Tasmanische Wildnis (Teil 4): Franklin-Gordon-Wild-Rivers-Nationalpark

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