UNESCO-Welterbe Tasmanische Wildnis (Teil 2): Southwest-Nationalpark

Nach drei Nächten im Mount-Field-Nationalpark, ging es dann weiter in den nächsten Nationalpark. Wir hatten uns am Vortag bereits beim Ranger erkundigt, wie die aktuelle Lage bezüglich Waldbränden dort aussieht, konnten daher beruhigt früh los fahren und mussten nicht bis 10 Uhr warten, wo man die aktuellen Infos bekommt. Das war auch nötig, denn allein die Strecke vom Mount-Field-Nationalpark zum Gordon Staudamm im Southwest-Nationalpark war mit 2 Stunden reiner Fahrtzeit angegeben.

Southwest-Nationalpark

Die B61 ist die einzige Straße in Richtung Staudamm und auf den gut 90 Kilometern passiert man mit Tyenna, Maydena und Strathgordon lediglich drei kleine Örtchen. Entgegengekommen sind uns während der Hinfahrt dann auch nur 4-5 Fahrzeuge. Das gibt einem dann schon das Gefühl abseits der „üblichen“ Touristenpfade unterwegs zu sein.

Landschaftlich ist der Weg allerdings ein echter Hingucker. Von tiefsten Wäldern bis zu tollem Bergpanorama ist alles dabei. Gegen Ende der Strecke bekommt man dann auch zum ersten Mal den Lake Pedder zu Gesicht. Bombe, da mussten wir erstmal einen Fotostop einlegen.

Lake Pedder

Lake Pedder ist ein Stausee, er wurde also künstlich (für die Erzeugung von Strom) geschaffen und war früher wesentlich kleiner als heute. Von gut 3 km² wuchs er auf über 240 km² und ist heute wohl der größte Süßwassersee in ganz Australien. Das hat bereits 1967 zu Prosteten in der Bevölkerung geführt, die aber letztendlich erfolglos blieben. Von diesem Eingriff in die Natur mal abgesehen fügt er sich heute für unsere Augen jedoch perfekt in die Landschaft ein. Immer wieder kommen kleinere Inseln (früher Bergspitzen) ins Blickfeld, die grün bewachsen sind und einen tollen Kontrast zum blauen Wasser darstellen. Kurz vor unserem Ziel taucht dann auch noch der Lake Gordon auf der rechten Seite auf. Als wir am Parkplatz des Staudamms halten steht dort nur noch ein weiteres Fahrzeug (es ist kurz vor 11 Uhr). Der Gordon Staudamm selber ist über eine Treppe zu erreichen. Wer Nervenkitzel liebt kann sich an der 140 Meter hohen Wasser abgewandten Seite auch abseilen lassen. Als wir dort waren passierte hier jedoch nichts und so begnügen wir uns mit Fotos von der Staumauer und dem angrenzenden Stausee.

Gordon Damm

Serpentine Track

Dann geht es für uns weiter, den wir wollen noch am Geheimtip vom Parkranger Brendan wandern gehen. Die Wanderung soll am Serpentine Staudamm (Lake Pedder) starten. Hier sehen wir jedoch zunächst gar nichts. Es weist auch kein Schild auf eine Wanderung hin. Dennoch packen wir unsere Sitzkissen, eine Flasche Wasser und etwas zu essen in den Rucksack und schauen uns das Ende des Staudamms mal etwas genauer an. Und tatsächlich führt von dort eine Treppe hoch, die jedoch in Sträuchern zu enden scheint. So schnell gebe ich mich dann jedoch nicht geschlagen und versuche weiter mein Glück. Und siehe da, hinter den Sträuchern beginnt ein schmaler Pfad und ein Schild.

Dort war dann auch ein sogenanntes „Walker Logbook“, in dem man seinen Namen mit Kontaktdaten, die geplante Wanderung, sowie Datum und Uhrzeit einträgt. Wenn man von der Wanderung zurück ist trägt man sich einfach wieder aus. Die Bücher werden von den Rangern regelmäßig geprüft und bei Bedarf sollte dann auch eine Suchaktion eingeleitet werden.

Nachdem wir uns eingetragen haben geht der Weg steil bergauf und es sind viele Kletterpassagen zu überwinden. Eigentlich besteht der ganze „Wanderweg“ nur aus Kletterpassagen. Schnell mache ich mir Sorgen um Christianes Gemütszustand, weiß ich doch, dass sowas eigentlich gar nicht ihr Ding ist. Sie hält aber super mit! Die Kraxelei geht auch munter weiter.

Und dann kommen wir langsam aber sicher über die Baumgrenze und können einen Blick auf Lake Pedder werfen, echt toll!

Die Büsche verkratzen uns währenddessen munter die Beine und die Sonne brennt auf uns herunter. Und was liegt noch im Campervan? Richtig, die Beine unserer Wanderhosen und unsere Kopfbedeckungen. Auch das Wasser dürfte knapp werden. Wir kämpfen uns weiter voran, aber hinter jedem erklommenen Hügel wartet ein weiterer auf uns 🙁 Wir müssen also irgendwann feststellen, dass ich mich hier ausrüstungs- und versorgungstechnisch mal so richtig verkalkuliert habe. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als den Gipfelsturm für diesen Tag abzusagen. Wir machen noch ein paar tolle Fotos und kehren dann um.

Sträucher und Bäume geben uns Abstiegshilfe

Teds Beach

Anschließend geht es dann weiter Richtung des Campingplatzes Teds Beach am Lake Pedder. Hier springen wir dann erstmal zur Erfrischung ins kühle Nass und schrubben uns den Schweiß bestmöglich vom Körper.

Teds Beach

Der Campingplatz bietet einen überdachten Küchen-/ Picknickbereich mit BBQ Platten und mehrere saubere Toiletten mit Spülung. Das Ganze wird tatsächlich kostenlos zur Verfügung gestellt! Auch hier ist relativ wenig los. Am Abend stehen neben uns nur noch drei andere Campervans und drei weitere Zelte sind aufgebaut. Einziges Problem hier sind die unzähligen Fliegen, die sich sofort auf einen stürzen, sobald man sich nicht bewegt 🙁 Auch wenn sie nicht stechen ist das einfach super nervig. Da es an Teds Beach so gut wie keinen Schatten gibt stellt der Campervan als Sauna-Zufluchtsort auch keine wirkliche Alternative dar.

Gegen späteren Nachmittag verschwindet die Sonne dann hinter Wolken. Das sehen wir gar nicht gerne. Denn Ranger Brendan hatte während unseres Gespräches noch erklärt, dass sie aktuell versuchen aus der Region um Strathgordon ein Lichtschutzgebiet zu machen. In diesen Gebieten wird das von Menschen künstlich erzeugte Licht (die sogenannte Lichtverschmutzung) auf ein Minimum reduziert. Dies hat zur Folge, dass der Sternenhimmel viel besser zu sehen ist und das hätten wir gerne erlebt! In Neuseeland waren wir am Lake Tekapo schon einmal in einem solchen Gebiet und hatten dort leider auch kein Glück mit den Wolken 🙁

Diese verdunkeln sich dann weiter und schlussendlich entladen sich eine Reihe von teilweise sehr langen Blitzen über den Nationalpark. Leider bringen die Wolken aber keinen Regen mit sich, was wegen der Waldbrände ja besser gewesen wäre.

Mount Wedge

Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, denn für heute haben wir die Besteigung des Mount Wedge ins Auge gefasst. Diese Wanderung wird vom Tasmania Parks & Wildlife Service mit gut 5 Stunden angegeben. Nach unserer gestrigen Erfahrung gehen wir dieses Mal wesentlich besser vorbereitet an die Sache ran. Zunächst müssen wir aber gut 25 km zurück in Richtung „Zivilisation“ fahren. Es begegnet uns dabei kein einziges Auto.

Um 9:15 Uhr haben wir dann den Rucksack (inkl. allem erforderlich Equipment) auf dem Rücken und es kann los gehen. Der Weg geht zunächst wieder durch dichten Wald und Spinnweben machen uns das Leben schwer. Viel Zeit zum Aufwärmen bekommen wir allerdings nicht, denn der Weg wird zunehmend steiler. Heute haben wir genug Zeit und lassen es mit der ein oder anderen Verschnaufpause gemütlicher angehen. Gut eineinhalb Stunden später lichtet sich der Wald und wir werden mit einer schönen Aussicht auf Lake Pedder belohnt. Bis wir am Schluss den Gipfel erreichen dauert es allerdings noch einige Zeit. 

Wieder folgt ein Hügel auf den nächsten und vom Gipfel ist nach wie vor nicht zu sehen. Der Weg wird jetzt zunehmend steinig und wir müssen klettern um vorwärts zu kommen. An dieser Stelle möchte ich einfach mal erwähnen, dass Christiane sich in letzter Zeit wirklich gut in der Disziplin „schwierige Wanderungen“ macht. Sie ist viel sicherer unterwegs und es scheint ihr auch mehr Spaß zu machen als noch im letzten Jahr – find ich super! Nach gut drei Stunden Aufstieg haben wir es dann endlich geschafft und werden mit einem 360° Panorama verwöhnt.

Anfangs geht es noch recht gemütlich durch den Wald
… dann wird es schon etwas anstrengender
Man muss sich immer mal wieder umdrehen beim Klettern, damit man so eine Aussicht nicht verpasst
… und das war dann schon ne Herausforderung 🙂

Lange genießen können wir die Aussicht dann leider nicht. Von hier oben sehen wir an den verschiedensten Stellen auf der anderen Uferseite neue Brandherde, die vermutlich durch die Blitze des Vorabends ausgelöst worden sind. Wir versuchen noch die Notfallnummer 000 anzurufen, um den Brand zu melden (wir wussten von Brendan, dass man das unbedingt machen soll) – kommen aber leider nicht durch. Für uns sind diese Feuer aber auch ein Zeichen, dass es Zeit wird diese Region nun zu verlassen. Also machen wir uns nach einem kurzen Snack und dem obligatorischem Gipfelfoto auf den Rückweg.

Tolle Belohnung nach einem anstrengenden Aufstieg
Gipfelstürmer
Waldbrände

Wieder unten angekommen sehen wir dann, dass inzwischen auch unsere Wanderstrecke wegen der Waldbrände gesperrt worden ist. Das wird häufig als Vorsichtsmaßnahme gemacht um im Notfall nicht alle Strecken nach Wanderern absuchen zu müssen. Da wir unseren Campervan deutlich sichtbar geparkt hatten und niemand nach uns Ausschau gehalten hat, bestand für uns jedoch zu keiner Zeit Gefahr.

Sperrung des Wanderweges

Als wir auf dem Rückweg in Richtung Mount-Field-Nationalpark die Scotts Peak Straße passieren sehen wir dort ein Polizeiauto, das die Einfahrt versperrt. Eigentlich schade, denn der Southwest-Nationalpark am südöstlichen Ende des Lake Pedders wäre sicher noch für zwei / drei weitere, spannende Tageswanderungen gut gewesen.

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Camper-Spaß und Touristen-Dummheiten

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